Das souveräne Selbst: A Second Life von Tracey Emin in der Tate Modern (2026) und die Konsolidierung ihres internationalen Marktes
Von Emilia Novak
Mit der Eröffnung von Tracey Emin: A Second Life im Februar 2026 in der Tate Modern wird eine Entwicklung sichtbar, die sich seit Jahren abgezeichnet hat: Tracey Emin ist endgültig im kunsthistorischen Kanon angekommen. Was in den 1990er-Jahren als provokative Geste innerhalb der Young British Artists wahrgenommen wurde, erscheint heute als konsequente, formal eigenständige künstlerische Position von nachhaltiger Relevanz.
Die umfassende Retrospektive vereint über neunzig Werke – Gemälde, Skulpturen, Videos, Textilarbeiten, Neonarbeiten und Installationen – und spannt einen Bogen über vier Jahrzehnte. Für den Markt stellt diese institutionelle Würdigung mehr dar als eine museale Bestätigung: Sie markiert einen strukturellen Wendepunkt. Mit wachsender musealer Bindung zentraler Werke steigt die Verknappung bedeutender Unikate im privaten Bereich.
Kuratorische Neupositionierung: Distanz zur Sensation
Die Ausstellung zeichnet sich durch eine zurückhaltende, analytische Präsentation aus. Die Inszenierung verzichtet bewusst auf die mediale Dramatisierung, die Emins Frühwerk begleitete. Gedämpfte Farbräume und eine intime Hängung ermöglichen eine konzentrierte Auseinandersetzung mit der psychologischen Dimension ihrer Arbeiten.
Konzeptionell gliedert sich die Schau in eine „erste“ und eine „zweite“ Lebensphase. Die Installation My Bed (1998) fungiert als Übergang zwischen beiden Abschnitten. Was einst als skandalträchtige Provokation diskutiert wurde, wird heute als vorausschauendes Werk verstanden, das Fragen von Verletzlichkeit, Intimität und öffentlicher Selbstoffenbarung thematisiert.
Das erste Leben: Autobiografie als künstlerische Methode
Ein prägender Moment in Emins Karriere war die Zerstörung eines Großteils ihrer frühen Arbeiten zu Beginn der 1990er-Jahre. Dieser radikale Schritt bereitete den Weg für eine Praxis, in der persönliche Erfahrung zum zentralen Material wurde.
Arbeiten wie das Video Why I Never Became a Dancer (1995) oder frühe Textilarbeiten mit handschriftlichen Elementen zeigen eine klare formale Kohärenz. Hinter der scheinbaren Unmittelbarkeit verbirgt sich eine präzise Komposition, in der Text, Körper und Erinnerung zu tragenden Strukturen werden.
Für Sammler sind Unikate aus dieser Phase nur äußerst selten verfügbar. Viele Schlüsselwerke befinden sich in institutionellen Sammlungen. Diese strukturelle Knappheit trägt wesentlich zur Stabilität ihres internationalen Marktprofils bei.
Trauma als kulturelle Artikulation
Themen wie sexuelle Gewalt, Verlust und körperliche Verletzlichkeit durchziehen Emins Œuvre. Im Kontext des Jahres 2026 werden diese Arbeiten nicht mehr primär als Provokation gelesen, sondern als zentrale Beiträge zur feministischen Kunstgeschichte.
Neonarbeiten mit intimen Textbotschaften sowie bestickte Stoffarbeiten verdeutlichen, wie persönliche Erfahrung in eine universelle Bildsprache überführt wird. Die kritische Neubewertung dieser Werkgruppen hat ihre Marktposition nachhaltig gefestigt.
My Bed und das Vermächtnis der Young British Artists
My Bed bleibt das Referenzwerk ihrer Laufbahn. Der Verkauf im Jahr 2014 für über 2,5 Millionen Pfund (rund 4,3 Millionen US-Dollar) setzte einen maßgeblichen Bewertungsmaßstab für ihre großformatigen Installationen.
Im Rahmen der aktuellen Retrospektive erscheint das Werk als prophetisches Dokument, das heutige Diskurse über mentale Gesundheit und die Auflösung der Grenze zwischen Privatheit und Öffentlichkeit vorwegnahm. Für den globalen Markt fungiert es weiterhin als symbolischer Anker für die Bewertung ihres Gesamtwerks.
Das zweite Leben: Überleben und malerische Monumentalität
Nach ihrer Krebsdiagnose im Jahr 2020 und einer umfassenden Operation begann eine neue Schaffensphase. Diese „zweite Lebensphase“ ist durch eine intensive Rückkehr zur Malerei gekennzeichnet.
Großformatige Gemälde aus den Jahren 2022 bis 2024 zeigen eine gesteigerte gestische Energie. Fragmentierte Körperformen, expressive Linien und handschriftliche Textfragmente prägen die Kompositionen. Die physische Erfahrung von Verwundbarkeit wird in eine entschlossene künstlerische Präsenz transformiert.
Fotografische Arbeiten, die ihren postoperativen Körper dokumentieren, unterstreichen erneut ihre radikale Offenheit. Kritisch gelten diese späten Gemälde als technisch und konzeptuell besonders ausgereift.
Marktanalyse 2020–2026: Hohe Nachfrage bei begrenztem Angebot
Der internationale Markt für Tracey Emin ist durch starke Nachfrage und eine zunehmende Verknappung bedeutender Unikate geprägt.
- Auktionsrekord: ca. 4,3 Millionen US-Dollar (My Bed)
- Einzigartige Gemälde: regelmäßig im siebenstelligen Bereich
- Neonarbeiten: konstante Übererfüllung der Schätzpreise
- Editionen: wachsende Liquidität und breitere Sammlerbasis
Mit der fortschreitenden institutionellen Bindung zentraler Werke gewinnen Editionen als Zugangspunkt für private Sammler zunehmend an Bedeutung.
Die Dynamik des Editionsmarktes
Lithografien, Polymergravuren und kleinformatige Neonarbeiten sind integraler Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis. Emins charakteristische Handschrift und ihr expressiver Strich lassen sich überzeugend in druckgrafische Formate übertragen.
Marktindikationen:
- Lithografien: £4.000 – £12.000
- Polymergravuren: £1.500 – £6.000
- Kleinauflagen von Neonarbeiten: häufig über den Schätzungen
Geschlossene Werkgruppen und Portfolios zeigen besondere Stabilität im Sekundärmarkt.
Institutionelle Verankerung
Ankäufe durch Institutionen wie das Baltimore Museum of Art sowie öffentliche Projekte wie The Doors in der National Portrait Gallery verdeutlichen ihre internationale Bedeutung.
Darüber hinaus stärkt ihr Künstlerresidenzprogramm in Margate ihre Rolle als Mentorin und kulturelle Impulsgeberin.
Vom Skandal zum Kanon
Der heutige kunstkritische Diskurs legt den Fokus stärker auf formale und strukturelle Aspekte:
- Kohärenz über vier Jahrzehnte hinweg
- Text als kompositorisches Element
- Transformation persönlicher Erfahrung in visuelle Abstraktion
- Monumentale Ambition der späten Malerei
A Second Life zeigt, dass eine Retrospektive nicht als Abschluss, sondern als Neuverortung verstanden werden kann.
Werke aus Schlüsselperioden
Für Sammler, die diese Phase der Konsolidierung aufmerksam verfolgen, erscheinen insbesondere folgende Bereiche relevant:
- Textbasierte Editionen aus den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren
- Neonarbeiten aus der Mitte der 2000er-Jahre
- Arbeiten auf Papier nach 2020
Eine kuratierte Auswahl verfügbarer Werke aus diesen Perioden kann im Anschluss eingesehen werden. Jede Arbeit steht in direktem Dialog mit den zentralen Themen der Ausstellung.
Fazit: Reife, Stabilität und nachhaltige Positionierung
Mit Tracey Emin: A Second Life bestätigt die Tate Modern die dauerhafte Verankerung Emins in der internationalen Gegenwartskunst. Sie ist nicht länger ausschließlich eine prägende Figur der 1990er-Jahre, sondern eine weiterhin relevante Stimme unserer Zeit.
Die Kombination aus wachsender institutioneller Anerkennung, zunehmender Knappheit bedeutender Unikate und einem dynamischen Editionsmarkt schafft eine stabile Marktstruktur. Ihr „zweites Leben“ markiert keine Zäsur, sondern eine Konsolidierung – die Festigung einer künstlerischen Position, die Intimität, Verletzlichkeit und Widerstandskraft in eine eigenständige, nachhaltige Bildsprache übersetzt hat.
Von Emilia Novak
Mit der Eröffnung von Tracey Emin: A Second Life im Februar 2026 in der Tate Modern wird eine Entwicklung sichtbar, die sich seit Jahren abgezeichnet hat: Tracey Emin ist endgültig im kunsthistorischen Kanon angekommen. Was in den 1990er-Jahren als provokative Geste innerhalb der Young British Artists wahrgenommen wurde, erscheint heute als konsequente, formal eigenständige künstlerische Position von nachhaltiger Relevanz.
Die umfassende Retrospektive vereint über neunzig Werke – Gemälde, Skulpturen, Videos, Textilarbeiten, Neonarbeiten und Installationen – und spannt einen Bogen über vier Jahrzehnte. Für den Markt stellt diese institutionelle Würdigung mehr dar als eine museale Bestätigung: Sie markiert einen strukturellen Wendepunkt. Mit wachsender musealer Bindung zentraler Werke steigt die Verknappung bedeutender Unikate im privaten Bereich.
Kuratorische Neupositionierung: Distanz zur Sensation
Die Ausstellung zeichnet sich durch eine zurückhaltende, analytische Präsentation aus. Die Inszenierung verzichtet bewusst auf die mediale Dramatisierung, die Emins Frühwerk begleitete. Gedämpfte Farbräume und eine intime Hängung ermöglichen eine konzentrierte Auseinandersetzung mit der psychologischen Dimension ihrer Arbeiten.
Konzeptionell gliedert sich die Schau in eine „erste“ und eine „zweite“ Lebensphase. Die Installation My Bed (1998) fungiert als Übergang zwischen beiden Abschnitten. Was einst als skandalträchtige Provokation diskutiert wurde, wird heute als vorausschauendes Werk verstanden, das Fragen von Verletzlichkeit, Intimität und öffentlicher Selbstoffenbarung thematisiert.
Das erste Leben: Autobiografie als künstlerische Methode
Ein prägender Moment in Emins Karriere war die Zerstörung eines Großteils ihrer frühen Arbeiten zu Beginn der 1990er-Jahre. Dieser radikale Schritt bereitete den Weg für eine Praxis, in der persönliche Erfahrung zum zentralen Material wurde.
Arbeiten wie das Video Why I Never Became a Dancer (1995) oder frühe Textilarbeiten mit handschriftlichen Elementen zeigen eine klare formale Kohärenz. Hinter der scheinbaren Unmittelbarkeit verbirgt sich eine präzise Komposition, in der Text, Körper und Erinnerung zu tragenden Strukturen werden.
Für Sammler sind Unikate aus dieser Phase nur äußerst selten verfügbar. Viele Schlüsselwerke befinden sich in institutionellen Sammlungen. Diese strukturelle Knappheit trägt wesentlich zur Stabilität ihres internationalen Marktprofils bei.
Trauma als kulturelle Artikulation
Themen wie sexuelle Gewalt, Verlust und körperliche Verletzlichkeit durchziehen Emins Œuvre. Im Kontext des Jahres 2026 werden diese Arbeiten nicht mehr primär als Provokation gelesen, sondern als zentrale Beiträge zur feministischen Kunstgeschichte.
Neonarbeiten mit intimen Textbotschaften sowie bestickte Stoffarbeiten verdeutlichen, wie persönliche Erfahrung in eine universelle Bildsprache überführt wird. Die kritische Neubewertung dieser Werkgruppen hat ihre Marktposition nachhaltig gefestigt.
My Bed und das Vermächtnis der Young British Artists
My Bed bleibt das Referenzwerk ihrer Laufbahn. Der Verkauf im Jahr 2014 für über 2,5 Millionen Pfund (rund 4,3 Millionen US-Dollar) setzte einen maßgeblichen Bewertungsmaßstab für ihre großformatigen Installationen.
Im Rahmen der aktuellen Retrospektive erscheint das Werk als prophetisches Dokument, das heutige Diskurse über mentale Gesundheit und die Auflösung der Grenze zwischen Privatheit und Öffentlichkeit vorwegnahm. Für den globalen Markt fungiert es weiterhin als symbolischer Anker für die Bewertung ihres Gesamtwerks.
Das zweite Leben: Überleben und malerische Monumentalität
Nach ihrer Krebsdiagnose im Jahr 2020 und einer umfassenden Operation begann eine neue Schaffensphase. Diese „zweite Lebensphase“ ist durch eine intensive Rückkehr zur Malerei gekennzeichnet.
Großformatige Gemälde aus den Jahren 2022 bis 2024 zeigen eine gesteigerte gestische Energie. Fragmentierte Körperformen, expressive Linien und handschriftliche Textfragmente prägen die Kompositionen. Die physische Erfahrung von Verwundbarkeit wird in eine entschlossene künstlerische Präsenz transformiert.
Fotografische Arbeiten, die ihren postoperativen Körper dokumentieren, unterstreichen erneut ihre radikale Offenheit. Kritisch gelten diese späten Gemälde als technisch und konzeptuell besonders ausgereift.
Marktanalyse 2020–2026: Hohe Nachfrage bei begrenztem Angebot
Der internationale Markt für Tracey Emin ist durch starke Nachfrage und eine zunehmende Verknappung bedeutender Unikate geprägt.
- Auktionsrekord: ca. 4,3 Millionen US-Dollar (My Bed)
- Einzigartige Gemälde: regelmäßig im siebenstelligen Bereich
- Neonarbeiten: konstante Übererfüllung der Schätzpreise
- Editionen: wachsende Liquidität und breitere Sammlerbasis
Mit der fortschreitenden institutionellen Bindung zentraler Werke gewinnen Editionen als Zugangspunkt für private Sammler zunehmend an Bedeutung.
Die Dynamik des Editionsmarktes
Lithografien, Polymergravuren und kleinformatige Neonarbeiten sind integraler Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis. Emins charakteristische Handschrift und ihr expressiver Strich lassen sich überzeugend in druckgrafische Formate übertragen.
Marktindikationen:
- Lithografien: £4.000 – £12.000
- Polymergravuren: £1.500 – £6.000
- Kleinauflagen von Neonarbeiten: häufig über den Schätzungen
Geschlossene Werkgruppen und Portfolios zeigen besondere Stabilität im Sekundärmarkt.
Institutionelle Verankerung
Ankäufe durch Institutionen wie das Baltimore Museum of Art sowie öffentliche Projekte wie The Doors in der National Portrait Gallery verdeutlichen ihre internationale Bedeutung.
Darüber hinaus stärkt ihr Künstlerresidenzprogramm in Margate ihre Rolle als Mentorin und kulturelle Impulsgeberin.
Vom Skandal zum Kanon
Der heutige kunstkritische Diskurs legt den Fokus stärker auf formale und strukturelle Aspekte:
- Kohärenz über vier Jahrzehnte hinweg
- Text als kompositorisches Element
- Transformation persönlicher Erfahrung in visuelle Abstraktion
- Monumentale Ambition der späten Malerei
A Second Life zeigt, dass eine Retrospektive nicht als Abschluss, sondern als Neuverortung verstanden werden kann.
Werke aus Schlüsselperioden
Für Sammler, die diese Phase der Konsolidierung aufmerksam verfolgen, erscheinen insbesondere folgende Bereiche relevant:
- Textbasierte Editionen aus den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren
- Neonarbeiten aus der Mitte der 2000er-Jahre
- Arbeiten auf Papier nach 2020
Eine kuratierte Auswahl verfügbarer Werke aus diesen Perioden kann im Anschluss eingesehen werden. Jede Arbeit steht in direktem Dialog mit den zentralen Themen der Ausstellung.
Fazit: Reife, Stabilität und nachhaltige Positionierung
Mit Tracey Emin: A Second Life bestätigt die Tate Modern die dauerhafte Verankerung Emins in der internationalen Gegenwartskunst. Sie ist nicht länger ausschließlich eine prägende Figur der 1990er-Jahre, sondern eine weiterhin relevante Stimme unserer Zeit.
Die Kombination aus wachsender institutioneller Anerkennung, zunehmender Knappheit bedeutender Unikate und einem dynamischen Editionsmarkt schafft eine stabile Marktstruktur. Ihr „zweites Leben“ markiert keine Zäsur, sondern eine Konsolidierung – die Festigung einer künstlerischen Position, die Intimität, Verletzlichkeit und Widerstandskraft in eine eigenständige, nachhaltige Bildsprache übersetzt hat.
