“Sculpture must live with people — not apart from them"
Livia Canestraro (Rom, 1936) ist eine belgische Bildhauerin und Malerin, deren Werk in der europäischen Tradition der figurativen Nachkriegsskulptur verankert ist. Ihre künstlerische Praxis zeichnet sich durch eine enge Verbindung zum öffentlichen Raum aus, in dem Skulptur nicht als isoliertes Objekt verstanden wird, sondern als integraler Bestandteil der urbanen und architektonischen Umgebung.
Im Laufe ihrer Karriere arbeitete sie häufig in Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann Stefaan Depuydt. Daraus entstand eine gemeinsame künstlerische Praxis, in der die individuelle Autorschaft zugunsten einer geteilten Vision in den Hintergrund tritt. Ihre Werke sind im Dialog mit ihrem Umfeld konzipiert und entfalten ihre Wirkung im alltäglichen Leben der Betrachter.
Ein bedeutender Teil ihres Œuvres befindet sich in Brügge, wo sie durch zahlreiche öffentliche Aufträge zur visuellen Identität der Stadt beigetragen hat. Werke wie De Verliefden („Die Liebenden“) zeigen ihre Fähigkeit, menschliche Beziehungen und Emotionen in klare, zugängliche Formen zu übersetzen und zur Interaktion sowie zur Kontemplation einzuladen.
Stilistisch lässt sich ihr Werk einem spätmodernen, figurativen Ausdruck zuordnen. Trotz formaler Reduktion bleiben ihre Figuren erkennbar und menschlich, mit besonderem Augenmerk auf Proportion, Haltung und das Verhältnis von Figur und Raum. Damit steht sie in der Tradition europäischer Bildhauer, die die menschliche Figur im zeitgenössischen Kontext weiterführen.
Neben freistehenden Skulpturen schuf sie auch in die Architektur integrierte Arbeiten, darunter Fassadenfiguren und Gedenkmonumente. Diese Projekte unterstreichen ihre Fähigkeit, Kunst und Raum in ein ausgewogenes Verhältnis zu setzen, in dem ästhetische und funktionale Aspekte miteinander verschmelzen.
Auch wenn ihr Werk international weniger verbreitet ist, zeugt es von einer klaren und konsequenten Auffassung der Rolle von Skulptur im öffentlichen Raum. Ihre Arbeiten überzeugen durch formale Klarheit, menschliche Ausdruckskraft und ihre dauerhafte Präsenz im urbanen Gefüge.